„Digital Storytelling“

Erzähl­projekt in einer Sprach­lern- bzw. BQL-Klasse

In der Klasse BQL 82 haben wir uns zwei Monate lang jede Woche einmal mit dem Geschichtenerzählen beschäftigt und dabei verschiedene kreative Möglichkeiten erprobt, (eigene) Geschichten zu erzählen und die Fantasie spielen zu lassen.

Unterstützt hat uns dabei Nima, ein Film-, Video- und Performancekünstler aus dem Iran.

Zunächst haben wir uns mit der Struktur von Erzählungen, sprachlichen Mitteln und unterschiedlichen Sprachstilen auseinandergesetzt. Nach einem Exkurs zu Ideenfindung, Storyboard, Fiktionalisierung und Co. haben die Schüler erste visual stories kreiert. Diese wurden der Gruppe präsentiert und in einem kollektiven Feedbackverfahren mit konkreten Ideen zur weiteren Umsetzung angereichert. Insbesondere diesen Schritt haben viele Schüler als hilfreich empfunden und gern an der Umsetzung weitergearbeitet.

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Erzählprojekt in der BQL 82. Leitung: Nima Dehghani Mahammedabadi (Künstler), Caroline Schnapp (Lehrkraft Sprachlernklassen)

Ziele des Projekts waren neben dem Aspekt der Sprach- und Medienbildung vor allem ein selbstbewusster, authentischer und kreativer Umgang mit der neu erlernten Sprache. Dabei stand die Fähigkeit, die Fremdsprache als Gestaltungsmittel zu nutzen und zu formen sowie mit Sprache spielerisch und frei umzugehen im Mittelpunkt. Die Methode des digital storytelling kombiniert Sprache, Bild und Ton zu einer multimedialen Erzählung – dabei kann jedes einzelne Medium eine eigene Wirkung entfalten und die Schüler bei ihren Anliegen, sich künstlerisch auszudrücken und ihre Gedanken und Geschichten zu teilen, unterstützen.

Die visuelle Sprache der Aufnahmen wurde von den Schülern meist auf der Fremdsprache kommentiert – Aussprache und phonologische Fähigkeiten konnten hier trainiert werden. Ein Lernfeld lag bei diesem Projekt auch in der englischen Sprache, da die Begleitung auf Deutsch und Englisch stattgefunden hat – der iranische Videokünstler hat mit den Schülern englisch gesprochen. Die Wertschätzung und Einbeziehung der Herkunftssprachen der Schüler war über die Möglichkeit, Erzählungen zu übersetzen bzw. mehrsprachige Erzählungen zu schaffen, gegeben und wurde auch als künstlerisches Element genutzt.

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Bei den Erzählungen und Geschichten der Schüler, die überwiegend autobiografisch waren, handelt es sich um eine „bedeutsame“ Sprachproduktion – ihre Erfahrungen und Erinnerungen erlangen im Erzählprozess Bedeutung und Struktur und werden greifbarer, manchmal auch erst (mit-) teilbar.

Entstanden sind zehn Filme mit einer Länge von 2–7 Minuten, die wir in einem Filmcafé, in dem die Schüler als Filmemacher ihren Film jeweils dem Publikum präsentieren und sich im Anschluss darüber austauschen konnten, gezeigt haben. Dabei konnte das Publikum sich frei nach der Methode des World Café einen Filmtisch aussuchen – pro Filmtisch gab es neben dem Filmemacher Platz für zwei Zuschauer und so in intimer Atmosphäre solange dort verweilen, wie es jeweils Bedürfnis war.

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Kommentare

  • Ich bin sehr froh, dieses Projekt realisiert zu haben und die Kooperation mit dem Künstler eingegangen zu sein – durch den künstlerischen Prozess, in den wir alle involviert waren und uns auf einer nur wenig hierarchischen Ebene begegnen und austauschen konnten, haben wir uns nochmals neu und anders kennengelernt und auch Vertrauen gewonnen. Die Schüler haben sehr eigenverantwortlich gearbeitet und viel eingebracht – das hat mich motiviert und auch sie selbst stolz gemacht.
    Caroline Schnapp, Klassenlehrerin
  • Ich habe beim Filme sehen viel über meine Freunde und ihre Vergangenheit gelernt. Das war schön. Es war nicht so einfach für mich meine Geschichte zu erzählen – da haben mir meine alten Dinge – das Handy, die alten Fußballschuhe – geholfen.
    Amadou
  • Es war interessant, mit Nima, dem iranischen Künstler, zusammenzuarbeiten. Lehrer und Schüler haben alle gemeinsam diskutiert, Ideen getauscht und gearbeitet. Außerdem ist mein Film sehr gut geworden.
    Rahid
  • Ich finde, dass Teamwork so Spaß macht. Ich habe viele verschiedene Sprachen benutzt, um meine Gedanken auszudrücken. Ich habe jetzt viel Erfahrung, wie so etwas funktionieren kann.
    Mudar
  • Am Ende von unserem Projekt haben wir Gäste eingeladen und unsere Filme gezeigt. Das war sehr schön!
    Khalil
  • Ich habe schöne Ideen von meinen Freunden sehen können und ich weiß jetzt schon mehr über sie. Die Arbeit an meinem Film war nicht so schwer – unsere Lehrerin und der Künstler haben uns unterstützt.
    Alaa
  • Ich denke, dass dieses Projekt uns geholfen hat – da alle zusammengearbeitet haben und beschäftigt waren. Zuerst waren wir unsicher, aber dann hat uns das Projekt gefallen und wir waren interessiert. Gleichzeitig konnte ich das Leben meiner Mitschüler besser kennenlernen – das war interessant.
    Arailynn

Video

Um einen Eindruck zu bekommen, hier ein Video aus dem Projekt:

 

(Video als PopUp)

 

Caroline Schnapp
Lehrkraft Sprachlernklassen

 

 

Bildnachweis:
© 2018 C. Schnapp, Emil-Fischer-Schule